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Der Therapeium-Blog

Mit unserem Blog möchten wir Sie über aktuelle Forschung aus den Bereichen Natur- und Kulturheilkunde sowie über Veranstaltungen im Therapeium Berlin informieren.

13.02.18 Themengebiete: Meditation, Stress

Können Meditation und soziales Training das Gehirn verändern?

Im Kindes- und Jugendalter verändert sich unser Gehirn besonders rasant. Aber auch im höheren Alter können sich neue Erfahrungen in unsere zerebralen Strukturen „einbrennen“. Nun hat eine Studie gezeigt, dass soziales Training das Einfühlungsvermögen von Erwachsenen steigern kann – und das lässt sich sogar im MRT erkennen.

Oft wird behauptet, dass wir uns im Erwachsenenalter kaum noch verändern. Charakter, Persönlichkeit und Verhaltensweisen scheinen ab einem bestimmten Alter nahezu „festgeschrieben“ zu sein. Und doch ist das menschliche Gehirn in der Lage, sich ein Leben lang zu verändern und an neue Verhältnisse anzupassen. Die Fähigkeit unseres Gehirns zur Umstrukturierung nennen Wissenschaftler Plastizität. Bisher war unklar, inwieweit sie auch die Bereiche des Gehirns umfasst, die unser Sozialverhalten steuern. Um das zu erforschen, hat ein Forschungsteam um Tania Singer, Direktorin am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, mentale Trainingsmethoden für soziale Fähigkeiten entwickelt und deren Effekte auf das Verhalten der Teilnehmer, deren Hirnstrukturen und Hormonhaushalt gemessen.

Für ihre „ReSource-Projekt“ entwickelten die Forscher drei jeweils dreimonatige Trainingseinheiten, in denen der Fokus stets auf einem bestimmten Fähigkeitsbereich lag. Das erste Modul konzentrierte sich besonders auf die Faktoren Aufmerksamkeit und Achtsamkeit. Die Teilnehmer übten bei klassischer Meditation, sich auf Atmung, Sinneseindrücke oder einzelne Bereiche des Körpers zu konzentrieren. Ein zweites Modul stand im Zeichen von sogenannten sozio-affektiven Fähigkeiten wie Mitgefühl, Dankbarkeit und den Umgang mit schwierigen Gefühlen. Das Besondere dabei: Im Gegensatz zum Aufmerksamkeitstraining kam hier eine neue Technik zum Einsatz, bei der zwei Personen gemeinsam trainierten. In Partner-Übungen, sogenannten kontemplativen Dyaden, tauschten sie sich hochkonzentriert über ihre Gefühle aus, um so Nähe, Dankbarkeit, den Umgang mit täglichen Stressoren sowie ihr Einfühlungsvermögen zu schulen.

Hirnstrukturen und Verhaltensweisen änderten sich nach einigen Monaten

Im dritten Modul kultivierten die Teilnehmer ihre sozialen, genauer gesagt ihre sozio-kognitiven Fertigkeiten, insbesondere die Fähigkeit zur Perspektivübernahme, das heißt die Vogelperspektive auf eigene und fremde Denkmuster. Auch hier trainierten die Probanden zusätzlich zu den klassischen Meditationen in Dyaden. Dazu schlüpften sie gedanklich in die Rolle eines ihrer inneren Persönlichkeitsanteile – sei es die innere besorgte Mutter, das neugierige Kind oder der strenge Richter – und schilderten eine Situation aus deren Perspektive. Während sich der Sprecher darin übte, sich selbst besser zu verstehen, trainierte der Zuhörer, sich in die Perspektive und Gedankenwelt des anderen hineinzuversetzen.

Geübt wurde an sechs Tagen pro Woche, 30 Minuten täglich. Nach jeder der drei Einheiten untersuchten die Forscher trainingsbedingte Veränderungen der Teilnehmer mithilfe von Verhaltenstests, sowie in der Hirnstruktur durch Magnetresonanztomographie (MRT) und des Stresssystems anhand zahlreicher Biomarker wie etwa der Menge des Stresshormons Cortisol im Speichel. Und tatsächlich: „Je nachdem, welche mentale Trainingsmethode über drei Monate angewendet wurde, veränderten sich sowohl die Hirnstruktur in den assoziierten Bereichen als auch die dazugehörigen Verhaltensweisen“, so Sofie Valk, Erstautorin der Studie.

Soziale Intelligenz lässt sich trainieren

Die Testpersonen zeigten nach dem ersten Trainingsmodul einen Zuwachs der Großhirnrinde in den Bereichen, die für die Aufmerksamkeit zuständig sind. Gleichzeitig hatte sich auch ihre Aufmerksamkeit in Computertests erhöht, ihr Mitgefühl oder ihre Fähigkeit zum Perspektivwechsel hingegen nicht. Dafür bedurfte es der sozialen Trainingsmodule. „Bei den beiden anderen Modulen, die entweder sozio-emotionale oder sozio-kognitive Fähigkeiten trainierten, beobachteten wir, dass sich in der Tat selektiv das Mitgefühl oder die kognitive Perspektivübernahme steigern ließen und dass diese verbesserten Sozialkompetenzen mit erhöhter Dicke des Cortex in den Regionen einhergingen, die Mitgefühl oder Perspektivwechsel verarbeiten“, so Valk.

„Obwohl die Erforschung von der Trainier- und Veränderbarkeit des Gehirns, der sogenannten Plastizität des Gehirns, in den Neurowissenschaften schon immer eine zentrale Rolle spielte, wusste man bisher kaum etwas über die Plastizität des sozialen Gehirns”, erklärt Tania Singer, Leiterin des ReSource-Projekts. „Unsere Befunde zeigen nun eindrücklich, dass kurzes und gezieltes tägliches mentales Training bei erwachsenen Menschen noch strukturelle Veränderungen im Gehirn bewirken kann, und dies wiederum zur Steigerung der sozialen Intelligenz führt. Da Eigenschaften wie Empathie, Mitgefühl und Perspektivwechsel essenziell für gelungene soziale Interaktionen sowie Konfliktlösung und Kooperation sind, könnten diese Befunde eine hohe Relevanz für unser Bildungssystem haben.”

Soziales Training senkt Stresslevel

Interessant war für die Forscher, dass sich die verschiedenen Formen mentalen Trainings nicht nur unterschiedlich auf unser Gehirn, sondern auch auf unser Stresslevel auszuwirken schienen. „Wir entdeckten, dass die Teilnehmer in einem Test, bei dem sie einer für sie stressigen Leistungssituation ausgesetzt sind, bis zu 51 Prozent weniger des Stresshormons Cortisols ausschütteten – jedoch in Abhängigkeit von der zuvor trainierten mentalen Technik“, erklärt Veronika Engert, Erstautorin einer weiteren aktuellen Publikation in Science Advances, die sich mit dem Zusammenhang zwischen mentalem Training und der akuten Stressreaktion beschäftigte. „Die beiden, auf soziale Fähigkeiten fokussierten Trainingsmodule senkten die Cortisol-Konzentration deutlich. Das allein praktizierte Modul zur Steigerung der Aufmerksamkeit und Achtsamkeit verminderte sozialen Stress auf hormoneller Ebene hingegen nicht.

„Der Blick ins Gehirn, auf das Verhalten und auf die Stressantwort der Teilnehmer zeigt nicht nur, dass sich soziale Fähigkeiten üben und Stress reduzieren lassen. Er offenbart auch, dass sich unterschiedliche Formen des mentalen Trainings ganz unterschiedlich auf Gehirn, Gesundheit und Verhalten auswirken können“, erklärt Tania Singer. „Wenn wir genau wissen, welche Meditationen und mentalen Techniken welche Effekte haben, können wir sie viel präziser in Trainingsprogrammen einsetzen, um unsere geistige und körperliche Gesundheit zu fördern.“

Quelle:

Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, Leipzig

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Weitere Links:

Privatpraxis für Integrale Heilkunst im Therapeium Berlin

Foto: © Barabas Attila – Fotolia.com

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