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Der Therapeium-Blog

Mit unserem Blog möchten wir Sie über aktuelle Forschung aus den Bereichen Natur- und Kulturheilkunde sowie über Veranstaltungen im Therapeium Berlin informieren.

14.02.22 Themengebiete: Ernährung, Placeboeffekt

Kann der Placebo-Effekt unser Sättigungsgefühl beeinflussen?

Der Placebo-Effekt ist ein Thema, das eng mit der Medizin verbunden ist. Die Gabe von Placebos gilt als fester Bestandteil medizinischer Studien. Auch in der Praxis machen ÄrztInnen und Pflegepersonal von Placebos Gebrauch. Außerhalb des medizinischen Kontextes gewinnt der Placebo-Effekt immer mehr an Bedeutung. Er zeigt, dass unsere Einstellungen und Erwartungen generell einen großen Einfluss auf unseren Köper haben können.

Die klassische Rolle eines Placebos in der Medizin ist die der Kontrolle in medizinischen Studien, um die Wirkung eines Wirkstoffes unter Beweis stellen zu können. In den Placebo- bzw. Kontrollgruppen erhalten die ProbandInnen ein Placebo oder Scheinmedikament, das identisch in Form, Größe und Farbe mit dem „richtigen“ Medikament ist, aber keinen Wirkstoff enthält. Neben Faktoren wie dem natürlichen Krankheitsverlauf kann die Gabe des Placebos beispielsweise durch die Erwartungshaltung der ProbandInnen eine Verbesserung körperlicher Krankheitssymptome bewirken. Die Antwort des Körpers auf das Placebo ist eine messbare physiologische Veränderung, welche im Allgemeinen mit dem Begriff „Placebo-Effekt“ beschrieben wird. Das Placebo-Repertoire der Medizin ist dabei nicht nur auf Tabletten beschränkt. Das Scheinmedikament kann unter anderem in Form von Kapseln oder Spritzen verabreicht werden. Placebos reichen bis hin zu physiologischen Interventionen wie Scheinoperationen. Auch die Nutzung des Placebo-Effektes in der medizinischen Praxis ist keine Seltenheit. Bereits 2008 ergab eine anonyme Umfrage der Medizinischen Hochschule Hannover, dass 131 Personen von insgesamt 180 Befragten des medizinischen Personals der Uniklinik Placebos bei der Versorgung der PatientInnen verwenden. Darunter bestätigten 53% der ÄrztInnen und 88% der Pflegekräfte den Einsatz von Placebos. Die Wirkung wurde von 28,5% der ÄrztInnen und 63,8% der Pflegekräfte als hoch bewertet. Die häufigste Placebogabe erfolgte laut der Umfrage bei Schmerzen (76%) sowie bei Schlaflosigkeit (76%).

Der Placebo-Effekt als Potenzial der Einflussnahme auf die Selbstregulation des Körpers ist auch für andere Bereiche relevant. Während es in der Medizin zum großen Teil um die Beeinflussung oder die Linderung von körperlichen Leiden geht, kann der Schwerpunkt anderer Bereiche wie der Psychologie oder des Marketings auf der Untersuchung der Beeinflussbarkeit genereller körperlicher Reaktionen liegen. Zudem ist der Placebo-Effekt nicht von der Gabe eines Placebos abhängig. Häufig reicht eine Information aus, um die Reaktion des Körpers zu beeinflussen. Ein Beispiel dafür ist die Studie von Alia Crum et al. (2011) zum Sättigungsgefühl. Die ProbandInnen der Studie wurden in zwei Gruppen aufgeteilt und erhielten einen Milchshake mit 380 Kalorien. Eine Gruppe bekam die Information, dass der Milchshake nahrhafte 620 Kalorien enthält. Die andere Hälfte bekam die Information, dass der Milchshake nur die geringe Menge von 140 Kalorien enthält. Nach dem Konsum des Milchshakes wurde der Ghrelin-Spiegel im Blut gemessen. Allgemein gilt, dass der Ghrelin-Spiegel im Blut mit dem Sättigungsgefühl korreliert. Die Konzentration des Hormons Ghrelin steigt bei Appetit an und fällt nach der Mahlzeit wieder ab. Die unterschiedlichen Informationen zu dem eigentlich identischen Milchshake korrelierten mit einem signifikanten Unterschied der gemessenen Ghrelin-Werte. Das heißt, die Information, dass der Milchshake sehr reichhaltig sei, bewirkte einen „steileren Rückgang“ des Hormons im Blut, was zudem mit dem subjektiven Empfinden des Hungergefühls der ProbandInnen in Verbindung stand. Dies deutet darauf hin, dass die individuelle Erwartungshaltung auch beim Essen einen messbaren Einfluss auf unseren Körper haben kann.

 

Quellen:

Placebotherapie: Analyse von Umfang und Erwartung in einer Klinik der Maximalversorgung: https://www.springermedizin.de/placebotherapie/8561496

Mind over milkshakes: mindsets, not just nutrients, determine ghrelin response: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21574706/  (DOI: 10.1037/a0023467)

 

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